Da steht eine Intervalleinheit im Plan und dann wird unterwegs angefangen zu justieren. Ein paar Wiederholungen weniger, die Intensität etwas runtergeschraubt oder aus geplanten Zone-4-Intervallen wird am Ende doch eher Zone 3.
Der Gedanke dahinter ist fast immer derselbe: besser als gar nichts.
Klingt erstmal sinnvoll, ist aber in vielen Fällen genau das, was den eigentlichen Trainingseffekt kaputt macht.
Wenn im Plan Intervalle in Zone 4 stehen, dann ist das kein grober Vorschlag, sondern ein ziemlich klar gesetzter Reiz. Wenn du diese Einheit dann nur in Zone 3 läufst, hast du nicht âein bisschen weniger Effektâ, sondern du triffst den Reiz gar nicht. Auch keinen anderen, denn diese werden mit vĂśllig unterschiedlicher Struktur angesteuert.
Gleiches gilt, wenn du Intervalle einfach kßrzt, die Pausen verlängerst oder insgesamt zu wenig Zeit in der Belastung verbringst. Irgendwann fällt das Ganze unter die Schwelle, die dein KÜrper ßberhaupt als Trainingsreiz akzeptiert.
Genau das ist der Punkt: Der KĂśrper passt sich nicht an, weil du irgendwas gemacht hast, sondern weil der Reiz stark genug war. Bleibst du darunter, passiert oft einfach nichts â auĂer ein bisschen MĂźdigkeit. Gerade im intensiven Bereich ist das auch gut untersucht. Du brauchst zum Beispiel eine gewisse Zeit wirklich in hoher Intensität, damit Anpassungen Ăźberhaupt stattfinden. Nur kurz âantippenâ reicht nicht. Auch Schwellentraining funktioniert nur dann, wenn du wirklich an dieser Schwelle arbeitest und nicht deutlich darunter bleibst.
Und jetzt kommt der Teil, der vielen schwerfällt: Wenn du merkst, dass heute nicht dein Tag ist, die Beine schwer sind oder die Zeit einfach nicht reicht, dann ist es in den meisten Fällen die bessere Entscheidung, die Einheit nicht halbgar durchzuziehen. Genau dieses âich machâs irgendwie trotzdemâ endet oft in Training, das weder den gewĂźnschten Reiz trifft noch dir wirklich etwas bringt.
Dann geh lieber sauber eine lockere Einheit laufen. Eine Stunde Grundlage, klarer Reiz, klare Funktion. Oder verschieb die intensive Einheit, wenn es mÜglich ist. Aber hÜr auf zu glauben, dass du durch ein bisschen Abschwächen denselben Effekt bekommst. Das funktioniert so nicht.
Am Ende geht es nicht darum, nur Einheiten im Plan abzuhaken, sondern zu verstehen was das Ziel einer Einheit ist. Ein Reiz muss sitzen, sonst verfehlt er seine Wirkung. Lieber eine Einheit richtig getroffen als mehrere so halb erledigt.
Mich wĂźrde interessieren, wie ihr das bei euch kennt. Wer hat schon mal Intervalle runtergeregelt und sich gedacht, das passt schon â und im Nachhinein gemerkt, dass es eigentlich nichts gebracht hat?
Coach Marius