KI-Chatbots und Datenschutz: Wer liest eigentlich mit?
KI in regulierten Prozessen braucht klare Regeln für den Umgang mit Daten. Eine aktuelle Studie zeigt, wie dringend das ist.
Forscher von IMDEA Networks haben im Mai 2026 neun KI-Assistenten untersucht, darunter ChatGPT, Claude, Gemini, Grok und Copilot. Alle neun hatten Verbindungen zu Werbe- oder Trackingdiensten. Fünf teilten im Browser sogar Links zu Chatverläufen mit Trackern. Nach einem Klick auf „Alle ablehnen" blieben 80,8 % der Tracker aktiv. Ein Bezahlabo änderte daran wenig.
Besonders aufschlussreich finde ich die Chattitel. Jeder KI-Assistent benennt eine Unterhaltung automatisch, damit sie in der Seitenleiste wiederzufinden ist. Fragt jemand nach den Symptomen von Parkinson im Frühstadium, steht genau dieses Thema im Titel. Ein Drittel der Anbieter teilte solche Titel mit Werbepartnern, häufig zusammen mit E-Mail-Adresse oder dauerhafter Nutzerkennung. Gehashte E-Mail-Adressen klingen nach Anonymisierung. Die US-Handelsbehörde FTC warnt vor dieser Gleichsetzung.
Zur Fairness:
Die Studie ist noch ein Preprint, gemessen wurde einmalig in Spanien. Spätere Zugriffe auf Chats fanden die Forscher bisher bei Grok.
🟧 Meine Erkenntnis zu Firmengeheimnissen:
• Wer im kostenlosen Chatbot eine Risikoanalyse nach ISO 14971 überarbeitet, eine CAPA formuliert oder eine Konstruktionsänderung durchdenkt, verrät womöglich schon mit dem Titel, woran gerade gearbeitet wird.
• Ein Teil des Trackings läuft zudem serverseitig, an jedem Werbeblocker vorbei.
• Und das Geschäftsgeheimnisgesetz schützt Informationen nur dann, wenn das Unternehmen angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen trifft. Ungeregelte KI-Nutzung kann genau diesen Schutz schwächen.
🟦 Was ich daraus ableite:
• Eine schriftliche betriebliche KI-Richtlinie: Welche Daten dürfen in welches Tool?
• Technische Details, Kunden-Daten ausschließlich in freigegebene Unternehmenstarife, mit schriftlicher Bestätigung, welche Tracker dort laufen
• Cookies ablehnen, geteilte Chat-Links widerrufen und bei Apps genau hinsehen.
❓ Wie regelst Du in Deinem Unternehmen, welche Informationen in einen KI-Assistenten dürfen?
Zum Nachlesen und Anschauen:
📄 Der Artikel von Carolin Riethmüller bei heise online:
🎬 Das Video von heise zur Studie:
Weitere Quellen (intern)
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7 comments
Karl Kotté
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KI-Chatbots und Datenschutz: Wer liest eigentlich mit?
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