Der KI-Zeuge
Ein aktueller Fall aus England zeigt erstmals in aller Deutlichkeit eine neue Form der Prozessmanipulation: Ein Zeuge wurde während seiner Vernehmung über Smart Glasses und ein verbundenes Smartphone in Echtzeit mit Antworten versorgt. Das Gericht erkannte die Täuschung, verwarf die gesamte Aussage als unzuverlässig und wertete das Verhalten als bewusste Irreführung.
Die rechtliche Bedeutung reicht weit über den Einzelfall hinaus. Es handelt sich nicht mehr um eine klassische Falschaussage, sondern um eine technologisch gesteuerte, in Echtzeit optimierte Aussage. Damit verschiebt sich der Maßstab der Beweiswürdigung: Entscheidend ist nicht mehr nur die Glaubwürdigkeit der Person, sondern die Autonomie der Aussage.
Für das Prozessrecht ergeben sich daraus erhebliche Konsequenzen. Die richterliche Wahrheitsfindung wird zunehmend zu einer Frage der technologischen Kontrolle. Es stellen sich neue Anforderungen an die Sicherung der Verfahrensintegrität, an die Waffengleichheit der Parteien sowie an die strafrechtliche Bewertung manipulierten Aussageverhaltens.
Der Fall markiert einen Wendepunkt: Der Zeuge ist nicht länger zwingend eine eigenständige Erkenntnisquelle, sondern kann Teil eines vernetzten Systems aus Mensch und Technologie sein. Darauf muss die Praxis reagieren.
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Chris Mettler
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Der KI-Zeuge
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