Menschen lieben einfache Schuldige. Der Krieg, die Ölkonzerne, „die Märkte“. Klingt dramatisch, ist aber analytisch faul. Wer die Zahlen anschaut, merkt schnell: Der größte Preistreiber sitzt nicht in Moskau oder Texas. Er sitzt im Finanzministerium.
Schauen wir uns die tatsächliche Struktur des Spritpreises in Deutschland (2024/2025) an.
Feste Steuern pro Liter:
Benzin (Super E10):
- Energiesteuer: 65,45 Cent
- CO₂-Abgabe: ca. 8,4 Cent
- Zwischensumme Steuern: 73,85 Cent
Diesel:
- Energiesteuer: 47,04 Cent
- CO₂-Abgabe: ca. 9,5 Cent
- Zwischensumme Steuern: 56,54 Cent
Dann kommt der eigentliche Trick des Systems.
Auf alles wird anschließend 19 % Mehrwertsteuer erhoben.
Auch auf die Energiesteuer. Auch auf die CO₂-Abgabe.
Steuer auf Steuer.
Bei einem Benzinpreis von etwa 2,20 € pro Liter ergibt sich ungefähr:
- Steuern gesamt: ca. 1,05–1,10 €
- Rohöl, Raffinerie, Transport, Tankstelle zusammen: ca. 1,10–1,15 €
Mit anderen Worten:
Der Staat kassiert ungefähr die Hälfte des gesamten Preises.
Nicht der Krieg.
Nicht die Tankstelle.
Nicht der Ölkonzern.
Der Staat.
Jetzt zum entscheidenden Punkt, über den kaum jemand spricht.
Was passiert, wenn Öl auf 100 USD steigt?
Ein Barrel Öl enthält etwa 159 Liter.
Steigt der Ölpreis z. B. von 80 auf 100 USD, steigt der Rohölanteil im Literpreis ungefähr um 12–15 Cent.
Was passiert dann automatisch?
Die Mehrwertsteuer steigt mit.
Beispiel:
+15 Cent höherer Netto-Spritpreis
→ +2,85 Cent zusätzliche Mehrwertsteuer pro Liter
Bei rund 45 Milliarden Litern Kraftstoffverbrauch pro Jahr in Deutschland bedeutet das:
Über 1 Milliarde Euro zusätzliche Steuereinnahmen.
Ganz automatisch.
Keine Gesetzesänderung.
Keine politische Debatte.
Einfach nur höhere Preise.
Das ist die stille Logik des Systems:
Steigende Energiepreise wirken wie ein automatischer Steuererhöhungsmechanismus.
Je teurer Energie wird, desto mehr verdient der Staat.
Deshalb wird in Talkshows über Ölkonzerne gestritten, über geopolitische Krisen spekuliert und über „Spekulanten“ diskutiert.
Der größte Profiteur steigender Energiepreise sitzt selten mit am Tisch.
Und genau dort beginnt die eigentlich interessante Frage.