Prognosen sind kein Wissen. Sie sind Beruhigung.
Immer wieder tauchen Preisziele auf. Sauber formuliert, mit Durchschnitt, Hoch und Tief. Sie wirken seriös. In Wahrheit sind sie ein Denkfehler. Nicht, weil Edelmetalle unwichtig wären. Sondern weil Prognosen eine Welt voraussetzen, die es nicht mehr gibt. Prognosen funktionieren nur in stabilen Systemen. Mit verlässlichen Regeln, konstanten Beziehungen und überschaubaren Risiken. Genau diese Voraussetzungen zerfallen gerade. Geopolitik fragmentiert. Wirtschaftsbeziehungen brechen. Vertrauen wird nicht repariert, sondern ersetzt. Was wir bei Gold beobachten, ist kein spekulativer Hype. Es ist eine stille, stetige Verschiebung von Vertrauen. Informierte Akteure sichern sich ab, nicht gegen Volatilität, sondern gegen Systemversagen. Gold wird dabei nicht gekauft, weil man an einen Preis glaubt, sondern weil man an Papier glaubt – oder eben nicht mehr. Zentralbanken handeln nicht prognosebasiert. Sie reagieren auf strukturelle Risiken. Überschuldung, politische Eingriffe, monetäre Repression. Wenn Sicherheit Priorität hat, wird der Preis zweitrangig. Niemand fragt nach dem Durchschnitt, wenn das Fundament bröckelt. Dasselbe Muster bei Silber. Die Neubewertung kommt nicht aus der Charttechnik, sondern aus der physischen Realität. Industrie verbraucht mehr, als gefördert wird. Technologie bindet Material langfristig. Staaten definieren strategische Rohstoffe neu. Das sind keine Variablen für Prognosemodelle, sondern harte Asymmetrien. Prognosen suggerieren Kontrolle. Sie liefern Zahlen, wo eigentlich Demut angebracht wäre. Sie lenken den Blick auf das Wann und Wie viel, statt auf das Warum und Was passiert, wenn es anders kommt. In einer chaotischen Welt ist die entscheidende Fähigkeit nicht Vorhersage, sondern Widerstandsfähigkeit. Nicht Recht haben, sondern überleben.