Heute interessiert mich nicht, wo der Goldpreis morgen steht. Mich interessiert etwas anderes: Was passiert mit einer Goldmine, wenn wir mit unserer Goldpreis-Prognose falschliegen? Genau deshalb habe ich mir Agnico Eagle genauer angesehen. Starke Cashflows, vergleichsweise niedrige Produktionskosten, eine sehr solide Bilanz, große Reserven, Exploration, mehrere hochwertige Minen und eine interessante Projektpipeline. Das klingt zunächst hervorragend. Doch dann passiert etwas, das in keinem schönen Excel-Modell vorgesehen ist: Bei Canadian Malartic kommt es in der Barnat-Mine zu einer Gesteinsbewegung. Produktion fällt aus. Plötzlich trifft Modell auf Realität. Und genau jetzt wird es interessant. Denn ein robustes Unternehmen zeichnet sich für mich nicht dadurch aus, dass nichts schiefgeht. Sondern dadurch, dass etwas schiefgehen DARF. Agnico besitzt Puffer, Liquidität, andere Minen, Erzbestände und verschiedene Handlungsoptionen. Das führt zu einem Gedanken, der weit über Goldminen hinausgeht: Schulden zwingen Dich zu handeln. Liquidität erlaubt Dir zu handeln. Und dann machen wir im Video noch etwas, das ich bei Aktienanalysen viel zu selten sehe: Wir senken einfach den Goldpreis. Was passiert bei 3.500 Dollar? Bei 2.500 Dollar? Und bei 2.000 Dollar? Nicht die Frage „Wie viel verdiene ich, wenn alles gutgeht?“ ist für mich entscheidend. Sondern: Wie viel kann schiefgehen, ohne dass ich aus dem Spiel fliege? Und genau deshalb ist Agnico Eagle eine spannende antifragile Fallstudie. Aber Vorsicht: Ein hervorragendes Unternehmen ist noch lange kein hervorragendes Investment. Ein robustes Unternehmen kann bei einer zu hohen Bewertung zu einer fragilen Anlage werden. Deshalb meine Frage an Euch: Würdet Ihr lieber eine Goldmine besitzen, die bei 5.000 Dollar Gold maximalen Gewinn produziert – oder eine, die selbst bei 2.000 Dollar Gold noch genügend Optionen besitzt, um handlungsfähig zu bleiben? Und noch wichtiger: Welche Goldmine würdet Ihr momentan als robuster einschätzen als Agnico Eagle?