Motivation kommt. Motivation geht.
Gestern war so ein Tag. Draußen tobte ein Schneesturm, der Wind pfiff durchs Allgäu, minus zehn Grad, und im Trainingsplan stand ein Longrun. Einer von diesen Longruns, gegen die ich mich innerlich schon seit 2023 wehre. Mein Herz sagte mir, dass ich raus muss. Die Transvulcania steht an. Mein Kopf hingegen war eindeutig: Nein. Ich wachte auf und spürte sofort, dass es zäh werden würde. Bauchschmerzen, Rückenschmerzen, steife Gelenke. Alles fühlte sich schwer an, unbeweglich, widerständig. In der Nacht hatte ich mir noch Affirmationsmusik angemacht, hatte mir vorgestellt, wie ich leicht und federnd draußen laufe, mit Freude, hier im Allgäu und irgendwann wieder bei der Transvulcania. Ich hatte versucht, es nicht nur zu denken, sondern wirklich zu fühlen. Am Morgen war davon nichts mehr übrig. Trotzdem schlüpfte ich in die Laufklamotten, die ich mir am Abend zuvor schon zurechtgelegt hatte. Lange Tight, Funktionsshirt, Heatlayer. Ich goss mir einen Tee auf, zwang mir ein Ei und ein kleines Müsli hinein. Gerade morgens habe ich oft diesen drückenden, blähenden Bauch, der mir sehr deutlich signalisiert, dass Bewegung gerade keine gute Idee ist. Ich saß da wie ein Schluck Wasser in der Kurve und starrte vor mich hin. Ich nahm Olivia mit ins Wohnzimmer. Draußen hörte man den Wind, dieses scharfe, beißende Geräusch von Kälte. Wir machten Feuer und begannen mit etwas Mobility. Nichts Besonderes, einfach bewegen. Victoria kam dazu und sagte ganz nebenbei: Wenn du heute rausgehst und deinen Longrun machst, dann zaubern Olivia und ich dir ein Spekulatius-Tiramisu. Olivia nickte sofort begeistert und sagte nur: „Jaaaaa.“ Damit hatten sie mich. Ich setzte mir ein Hörbuch auf die Kopfhörer, packte meine Weste und verschwand für drei Stunden im Schneegestöber. Motivation hatte ich an diesem Tag keine. Wirklich keine. Aber ich hatte mir auch keine andere Wahl gelassen, als trotzdem loszugehen. Das Tiramisu übrigens auch nicht. Und genau darin liegt die Erkenntnis. Motivation ist kein verlässlicher Trainingspartner. Sie kommt und geht, abhängig vom Wetter, vom Schlaf, von Emotionen. Was bleibt, sind Disziplin, Routinen und kleine Tricks im Trainingsalltag. Klamotten vorbereiten. Rituale schaffen. Bewegung zulassen, bevor der Kopf entscheidet. Menschen um sich haben, die einen kennen.