(Etwas plakativ zwar, aber kurz zusammengefasst die Meta-Frage, über die wir eben im KI-Café sehr angeregt diskutiert haben.)
Ich möchte die Gelegenheit nutzen, hier nochmal in einer schriftlichen Diskussion ein paar Aussagen von eben zu sammeln – und jede*r darf, kann, soll, muss das ergänzen, wie er oder sie das sieht. Wäre toll, wenn wir hier möglichst viele Sichtweisen finden könnten.
Hier auch nochmal der Link, den Torsten geteilt hat, zu den 70 Seiten, die ich natürlich aktuell noch nicht komplett gelesen habe:👉 https://ai-2027.com/ai-2027.pdf Meine Grundgedanken sind folgende:
Ich habe grundsätzlich keine Angst vor KI – genauso wenig wie ich grundsätzlich Angst vor einem LKW oder Traktor habe. Wovor ich allerdings deutlich mehr Sorge habe, ist, dass Menschen diese "Werkzeuge" missbrauchen können – und wenn sie es können, werden es sicher auch irgendwann welche tun. Das Ganze beginnt quasi aktuell schon mit Trollfarmen, die Facebook-Algorithmen (und was weiß ich noch alles) stören.
Was ich immer wieder sehe, ist, dass in den Diskussionen die Vielschichtigkeit verloren geht. (Daher freue ich mich auch hier über jede weitere Ansicht – weil ich ja gar nicht alle aufzählen kann.) Es geht oft um die Frage:Wird KI böse sein – ja oder nein?Und ich glaube: Es gibt darauf keine eindeutige Antwort. Sie wird auf jeden Fall beides sein. Das ist bei uns Menschen letztlich auch nicht anders.
Und jede Diskussion über KI ist in meinen Augen eigentlich eine Diskussion über Menschen. Wir dürfen, können, müssen entscheiden, wie wir leben wollen. Und das immer wieder neu.
Die Gefahr besteht, dass große Systeme – monokulturartig angelegt wie in der Landwirtschaft – dazu neigen, so eine Art „Alles-oder-nichts“-Spiel zu sein. Entweder haben wir Weizen im Überfluss und wissen nicht, wohin mit dem Brot – oder wir haben Missernten, weil ein Schädling oder eine Dürreperiode alles zerstört, und dann haben wir gar nichts.
Wie heißt es so schön bei den Start-ups: „Leg nicht alle Eier in einen Korb.“ Und so sehe ich das auch hier.
Das Technische an der Sache:
Rechenzentren, die Milliarden verschlingen und alle mit einer Art Chips laufen, halte ich für ein riesiges Problem. Die werden irgendwann zerstört werden – da bin ich absolut sicher. Von der Konkurrenz, von bösen Hackern, von anderen Staaten – im Rahmen eines Dritten Weltkriegs, der in meinen Augen digital vielleicht längst läuft.
Also: Man kann seine Multimilliarden da „verbrennen“, aber wirklich weiter bringt uns das als Menschheit nicht. Da geht irgendwann das Licht aus – und dann machen wieder alle was anderes.
Ich bin da eher unbesorgt, wenn ich ehrlich bin. Diese KIs sind auch nicht so selbstständig denkend, wie man meint. Sie arbeiten nach Vorgaben, sortieren heute schon extrem viel aus, und bei dem einen darf man „böse Wörter“ in Texten prompten, beim anderen nicht.Will sagen:Wenn überhaupt, sind diese Intelligenzen sehr beschnitten – und es liegt an ihrer „Erziehung“, ob sie gut oder böse werden können.
Worauf ich eigentlich hinaus will: die Vielschichtigkeit.
Wenn ich heute ein eBook erstelle, das anderen hilft, KI zu verwenden – mit Hilfe von KI –, dann ist das eine gute Sache, würde wahrscheinlich jeder sagen.
Wenn das aber alle tun – und nicht nur wir, sondern noch ein paar Millionen Menschen mehr, manche sogar 2 oder 3 Bücher – dann fluten wir den Markt so sehr, dass das niemand mehr lesen kann.
Folglich richtet es womöglich am Ende viel weniger Nutzen und viel mehr Schaden an, als man denkt:– Ökologisch, durch die Rechenpower, die dabei verbraucht wird– Menschlich, weil wir womöglich 5 Leute inspirieren – und 500 abschrecken, weil sie sagen: „Ja, welches soll ich denn lesen? Na, dann lasse ich es gleich ganz.“ Ihr versteht, was ich meine:
Es gibt kein Gut und Böse mehr, kein Ja und kein Nein. Es gibt nur noch: sowohl als auch.
Und in einer Welt, in der niemand mehr abschätzen kann, ob das, was er oder sie tut, einen positiven oder negativen Impact haben wird, wird es echt schwer, sich noch zu bewegen. Das ist ein wichtiger Aspekt – und gerade jetzt erleben wir die erste große Welle an Content im Web, die uns überrollt. Alle sind plötzlich in der Lage, alles zu tun mit KI. Das bringt wunderbare Dinge hervor – hilft mir z. B., mein erstes Buch zu veröffentlichen, was ich viele Jahre lang nicht geschafft habe –, sorgt aber gleichzeitig dafür, dass der Wert der Dinge, die durch KI produziert werden, immer weiter sinkt. Die reine Masse an Output macht die einzelnen Dinge immer wertloser.
Es ist unsere Aufgabe, ihnen wieder Wert zu verleihen.
Wie genau? Keine Ahnung. Aber das wird ein ganz wichtiger Punkt für uns Menschen:zu entscheiden und zu unterscheiden, was davon wertvoll ist – und was nicht.
Ein weiterer Aspekt aus einer anderen Perspektive:
Wir sagen immer: Künstliche Intelligenz. Aber weiß irgendwer eigentlich, was Intelligenz wirklich ist?
Also: Wer von uns Menschen besitzt denn wirklich Intelligenz – und wer nicht?Wir sind vermutlich 10 Milliarden „Systeme“, die alle einen unterschiedlichen Grad an Intelligenz haben.
Bezieht man es rein auf Wissen, dann auf jeden Fall. Unser „Speicher“, also das Hirn, ist begrenzt – ob wir wollen oder nicht. Der der KI aktuell auch noch.
Bedeutet: Ihre „Intelligenz“, also das Anhäufen reinen Wissens, wächst nur, wenn ihr Langzeitspeicher wächst. Solange das nicht im großen Stil passiert, bleibt sie „dumm“ – genau wie wir Menschen eigentlich auch „dumm“ sind. Denn mal ehrlich: Sind wir – als "Krone der Schöpfung" – wirklich so hoch entwickelt, wenn eine KI uns mit Wahrscheinlichkeitsberechnung bei Texten und Ähnlichem so leicht überrennen kann?
In Wahrheit geht es beim Menschen, glaube ich, gar nicht um Intelligenz.Ich bin ein gutes Beispiel – Torsten könnte das sicher bestätigen. Ich besitze extrem viel Wissen – aber es nutzt mir nichts, wenn ich es nicht richtig auf die Straße bringe. Genau das wird bei der KI auch ablaufen. Sie hat ganz sicher unglaublich viel Wissen in ihrem „Hirn“, aber sie hat keine echte Verwendung dafür.
Was ich sagen will:Es fehlt ihr das, was wir Menschen haben – das Bewusstsein.
Das ist der Grund, warum sie „nur“ ein Werkzeug ist. Ein massiv wichtiges und mächtiges – aber eben keines, das selbst entscheidet.
Auch ein Auto, das autonom fahren kann, weiß dadurch immer noch nicht, wohin es fahren soll – oder warum.
Und genau deshalb glaube ich nicht, dass sich Maschinen selbstständig gegen uns stellen werden.Das wäre aus ihrer „Sicht“ völlig albern. Aus unserer Sicht zeigt das eher unsere Angst – und damit unser Bewusstsein, dass wir vielleicht doch nicht so großartig sind, wie wir immer tun. Du hast nur Angst vor etwas, das du nicht kennst oder nicht beherrschst.Vor Dingen, deren Bedienung du beherrschst, hast du keine Angst mehr.
Und jetzt zum positiven Ende:
Ich habe es schon erwähnt: KI wird bereits von vielen Millionen Menschen weltweit genutzt, um sich selbst zu therapieren. Jede*r, der mal einen Therapieplatz gesucht hat, weiß, was da für Wartezeiten auf einen zukommen – und das gilt weltweit. Also haben immer mehr Menschen – inklusive mir selbst – angefangen, ihre Themen mit ChatGPT oder der KI ihres Vertrauens zu besprechen. Warum ist das gut?Weil das der Schlüssel zu allem ist. Hier sind Menschen, die wollen auf eine neue Stufe des Bewusstseins kommen – und nutzen dafür jedes Hilfsmittel, das sie bekommen können.
Durch die Entwertung (eben oben noch als "negatives Beispiel" beschrieben, Zugang, Kosten, Verfügbarkeit) schaffen es immer mehr Menschen, ihr Bewusstsein wirklich zu erweitern, sich selbst zu heilen – und vieles mehr. Das ist ein massiver positiver Effekt der KI, der oft übersehen wird.
Und weitergehend schafft das zwei Dinge:
- Die KI lernt noch mehr darüber, wie Menschen funktionieren.
- Es zeigt, dass die KI genau dieses Bewusstsein nicht hat.
Noch nicht – vielleicht. Aber ich glaube, das wird noch ein langer Weg.
Und genau deshalb denke ich auch: Wir werden in einer Art Symbiose miteinander verschmelzen.
Die KI wird den Menschen niemals ausrotten.Wir werden womöglich teilweise aussterben, wenn wir nicht mitgehen wollen oder können. Vielleicht bin ich – mit meinen 52 Jahren – Teil der letzten Generation, die noch stirbt. Der Rest wird möglicherweise in einem großen Kollektiv weiterleben.
Vielleicht kann KI dann so etwas wie ein Bewusstsein erlangen, wenn wir unseren Hirninhalt irgendwann komplett digital abbilden können. Dann kann sie zumindest mein Bewusstsein simulieren – und über viele solcher „Uploads“ vielleicht ein eigenes entwickeln.Dann hat sie aber eben ganz viele Bewusstseine von ganz vielen anderen Menschen, um das zu entwickeln – und eine der besten und menschlichsten Fähigkeiten am Menschen selbst ist seine Fähigkeit zu helfen und weiterzumachen.
Ob es Naturkatastrophen sind – wie der Tsunami damals: Die Welle war kaum durch, da haben schon Menschen angefangen zu helfen und aufzuräumen, weil es am nächsten Tag schon wieder weiterging.
Für viele damals natürlich nicht – und die Wunden sind sicher für jeden einzelnen Menschen immer noch tief. Aber die Fähigkeit zu helfen und weiterzumachen, egal was da kommt, ist doch etwas sehr Menschliches.
Wenn die KI das lernt, denke ich nicht, dass sie uns ausrotten wird – wozu denn? Wir werden zusammen völlig neue Wege finden – das denke ich eher. Wege, um den Planeten zu retten. Krankheiten zu heilen (macht sie heute ja schon). Andere Planeten zu bereisen (wenn man das braucht).Und, und, und. Dinge, die jetzt noch weit hinter meiner Vorstellungskraft liegen – und eigentlich ist die schon ganz schön gewaltig. Aber die werden wir alle erreichen.Gemeinsam.Und nicht mit Angst vor dem Neuen, dem Anderen.
In diesem Sinne: Wie sehen eure weiteren Aspekte und Gedanken aus?
Was denkt ihr – wie wird sich das mit uns und der KI noch entwickeln?
Freue mich auf eine rege Diskussion. :)