Ich habe den Goldpreis immer als Fieberthermometer bezeichnet. Nicht, weil er die Gesundheit der Märkte misst, sondern weil er ihr Fieber offenlegt. Wenn Gold steigt, schwitzt das System. Und aktuell brennt es.
Ein Preis von über 4.000 Dollar ist kein Grund zur Euphorie. Er zeigt, dass das Vertrauen in Papier, Politik und Zentralbankmagie schwindet. 300 Billionen Dollar globale Schulden sind kein Nebeneffekt – sie sind der Kern des Problems. Das System lebt von Verschuldung, weil es ohne sie kollabiert.
Was wir erleben, ist keine Rally, sondern ein Symptom. Das Finanzsystem ist so fragil, dass es seine eigene Medizin vergiftet. Schulden sollen Wachstum erzeugen, erzeugen aber nur noch Instabilität. Liquidität ist zum Schmerzmittel geworden – sie betäubt, heilt aber nichts.
Zentralbanken wissen das längst. Ihr Verhalten verrät mehr als ihre Worte: Sie tauschen Anleihen gegen Gold, als wollten sie sich gegen ihre eigene Geldpolitik versichern. Man hortet Substanz, wenn man dem Versprechen nicht mehr traut.
Silber spielt dieselbe Rolle – unauffällig, aber antifragil. Während Fiat-Währungen an Vertrauen verlieren, bleibt physisches Metall unbeeindruckt. Es kennt keine Inflation, keine Politik, keine Narrative.
Die Debatte über digitale Zentralbankwährungen zeigt die nächste Stufe der Illusion: Kontrolle soll Vertrauen ersetzen. Doch Vertrauen entsteht nicht durch Code, sondern durch Glaubwürdigkeit.
Der Goldpreis steigt, weil das System seine eigene Schwäche offenbart. Kein Boom, sondern ein Symptom. Wer das Fieber sieht und glaubt, es sei Energie, hat das Prinzip nicht verstanden. Gold ist kein Investment – es ist der Spiegel einer Welt, die ihre eigenen Risiken nicht mehr erkennt.