Langeweile, Dopamin & Co.
Ich wurde gefragt, ob wir das Thema Langeweile bzw. Getrieben sein von unseren Kindern kennen - und JA, das kennen wir sehr gut - bei allen Familienmitgliedern unterschiedlich stark. Ich sehe PDA als Teil von AuDHS, das sich in sehr unterschiedlichen Ausprägungen zeigen kann, abhängig davon, ob der ADHS-Anteil oder der Autismus-Anteil überwiegt (und natürlich grundsätzlich ganz individuell). Die Themen Langeweile und Getrieben sein steht für mich im Zusammenhang mit den ADHS-Anteilen und sind besonders herausfordernd bei Interessen, Hobbies und Bedürfnisse, die nicht so einfach zugänglich oder erreichbar sind - bzw. abhängig von der Außenwelt (zB. Freunden) oder finanziellen Mitteln sind (Shopping, teure Freizeitaktivitäten). *** Grundsätzlich wird oft suggeriert, dass es gut und wichtig ist, dass Kinder sich langweilen, denn dadurch entsteht Kreaktivität. Teilweise stimme ich dem zu - ich sehe, wie die Kinder/Teens hier immer etwas zu tun finden, sich Spiele ausdenken und stundenlang Zeit miteinander verbringen - egal ob im Park, am Fluss, im Trampolino oder bei Playdates zuhause. Aber das ist immer in Gemeinschaft, also irgendwie dann auch nicht wirklich "Langeweile". Gleichzeitig weiß (und sehe) ich aber auch, wie dysregulierend Langeweile besonders für neurodivergente / PDA Menschen sein kann (Thema Dopamin und Autonomieverlust). Meine persönliche Meinung: Langeweile kann Menschen, die sehr viel Input benötigen (häufig ADHS, AuDHS, Höherbegabung) in einem künstlichen Stillstand halten - und das ist kontraproduktiv. Es hemmt Entwicklung und Lebensfreude und hält uns vom Erreichen unserer Potenziale ab. Worauf sollen wir warten, wenn wir genau wissen, was wir wollen und brauchen - und auch die Energie haben, da hin zu kommen? Dass das für uns Eltern eine Herausforderung darstellt, ist klar. Wir versuchen trotzdem, so viel es geht möglich zu machen - weil das dann eben wieder regulierend ist. Getrieben sein ist für mich ein Zeichen von Dysregulation (Flight) - aber ebenso ist es vielleicht auch ein Zeichen, dass wir irgendwo hinwollen, wo wir jetzt noch nicht sind. Und dieses "irgendwo" vielleicht genau das ist, was wir brauchen, um aus der Dysregulation zu kommen.