Was könnte dein Schmerz wirklich mitteilen wollen?
Fragen die mich bewegen:
Der biokinematische Befund als Diagnoseschlüssel — für alle Ebenen des Menschen
Die Hirnforschung hat in den letzten 20 Jahren etwas Erstaunliches herausgefunden: Es gibt kein Schmerzareal im Gehirn. Schmerz ist kein Ort — Schmerz ist ein Netzwerkphänomen. Er entsteht aus dem Zusammenspiel von Körperwahrnehmung, Emotion, Erwartung, Vorerfahrung und Bedeutungszuschreibung. All das verarbeitet das Gehirn gleichzeitig — und entscheidet dann: Schmerz, oder nicht.
Das ist nicht neu für dich. Aber es wirft eine Frage auf, die die Neurowissenschaft selbst bisher nicht schlüssig beantwortet hat:
Wenn Schmerz ein Netzwerkphänomen im Gehirn ist — was sendet die Fehlsignale, die dieses Netzwerk dauerhaft aktivieren?
Genau hier beginnt die Biokinematik. Und genau hier beginnt — in der Verbindung zur Energiearbeit und zur Bewusstseinsarbeit.
Der Körper lügt nicht. Er schützt.
Walter Packis Biokinematik stellt einen Grundsatz auf den Kopf, der in der konventionellen Physiotherapie als selbstverständlich gilt: Der Schmerz ist nicht dort, wo das Problem ist.
Das Auto-Bild macht es greifbar: Wenn ein Reifen Luft verliert, verändert sich die Fahrgeometrie. Das Lenkrad zittert — aber die Ursache liegt beim Reifen, nicht am Lenkrad. Behandelst du das Lenkrad, beseitigst du das Symptom. Den Reifen lässt du weiter verschleißen.
Im Körper bedeutet das: Der Schmerz erscheint am stärksten, gesündesten Glied einer Muskelkette — weil der Körper dieses starke Glied schützt. Es soll nicht weiterarbeiten, solange das schwächste Glied in der Kette nicht mithalten kann. Der Schmerz ist ein intelligenter Schutzreflex.
Und gleichzeitig ist er ein Wegweiser. Er zeigt — wenn man weiß, wie man liest — auf das schwächste Glied hin. Nicht auf den Schmerz selbst.
Woher kommt die Schwäche des schwächsten Gliedes?
Jetzt öffnet sich der eigentlich spannende Raum. Denn die Frage, warum ein Glied zum schwächsten wird, hat keine einzige Antwort. Sie hat mindestens vier.
1. Mechanisch — das Trauma
Ein Sturz, eine Operation, eine chronische Überlastung durch einseitige Bewegungsmuster. Die Geometrie einzelner Muskelfasern wird direkt verändert. Das ist die klassische biokinematische Ursache — und die am leichtesten zugängliche.
2. Metabolisch — die Gewebequalität
Ein Muskel, dessen Stoffwechsel gestört ist — durch Entzündung, Übersäuerung, Mikronährstoffmangel, schlechte Durchblutung — verliert mechanische Qualität. Nicht durch einen Schlag, sondern durch schleichende Veränderung seiner inneren Beschaffenheit. Er wird zum schwächsten Glied, ohne dass ein klares Trauma vorausging. Hier öffnet sich die Verbindung zur Ernährungsmedizin, zur Orthomolekularen Medizin, zur Faszienernährung.
3. Emotional — das eingefrorene Muster
Chronischer Stress erhöht den Muskeltonus. Angst verengt den Atemraum und spannt den Zwerchfellbereich. Unterdrückte Wut verdichtet die Schultermuskulatur. Tief sitzende Trauer verändert die Haltung und damit die gesamte Kinematik. Diese Zustände sind keine Metaphern — sie sind messbare, strukturelle Veränderungen in der Muskelgeometrie. Das emotionale Muster schreibt sich in den Körper ein, und mit ihm schreibt sich eine Schwäche in die Kette.
4. Seelisch — das tiefe Strukturmuster
Es gibt Schmerzbilder, die sich auf keiner der vorherigen Ebenen vollständig auflösen. Menschen, die therapiert, beweglich, ernährt, emotional begleitet wurden — und trotzdem bleibt eine Schicht. Hier spricht die Energiearbeit von eingefrorenen Mustern in den Energiezentren, von seelischen Strukturen, die sich noch nicht haben transformieren lassen. Auch diese Ebene materialisiert sich letztlich im Körper — in der Muskulatur, in der Haltung, in der Bewegung.
Der biokinematische Befund als Diagnoseschlüssel
Hier entsteht das, was Schmerzlösung PRO als therapeutisches Gesamtbild versteht — und was es von einem bloßen Behandlungsverfahren unterscheidet.
Wenn du als Therapeutin oder Therapeut biokinematisch arbeitest und das schwächste Glied identifizierst, stellst du gleichzeitig eine tiefere Frage: Was hat dieses Glied geschwächt? Auf welcher Ebene liegt die eigentliche Störung?
Ein und derselbe Schmerz könnte sagen: ‚Hier ist eine mechanische Geometriestörung.' Oder: ‚Hier ist metabolisch geschwächtes Gewebe.' Oder: ‚Hier sitzt eine emotionale Blockade.' Oder: ‚Hier ist ein seelisches Muster eingefroren.'
Der biokinematische Befund zeigt dir den Eintrittspunkt. Er zeigt, wo die Kette bricht. Was er nicht automatisch zeigt — aber andeutet — ist, auf welcher Ebene du weitersuchen musst. Dafür brauchst du den erweiterten diagnostischen Blick: biokinematische Präzision als Werkzeug, kombiniert mit der Fähigkeit, die anderen Ebenen zu lesen.
Das könnte konkret bedeuten:
  • Wenn eine biokinematische Behandlung sofort und dauerhaft wirkt — war die Ursache primär mechanisch.
  • Wenn die Wirkung ausbleibt oder sich nicht hält — frage nach der metabolischen Qualität des Gewebes. Was isst dieser Mensch? Was fehlt ihm biochemisch?
  • Wenn immer wieder dieselben Muster zurückkehren — frage nach dem emotionalen Kontext. Welche Situation, welche Beziehung, welche Anforderung wird zu Schmerz?
  • Wenn sich auf allen Ebenen etwas bewegt, aber eine Schicht bleibt — "arbeite" auf der Bewusstseinsebene. Welches tiefe Muster schreibt sich immer wieder in diesen Körper?
Die Biokinematik ist der Kompass. Die anderen Ebenen sind das Territorium.
Was die Neurowissenschaft bestätigt — und was sie offen lässt
Die aktuelle Schmerzforschung (gut dokumentiert etwa in Arbeiten von Markus Ploner und dem Deutschen Kinderschmerzzentrum Datteln) belegt: Chronischer Schmerz ist keine lineare Kausalität mehr. Er ist ein eingefrästes neuronales Muster. Das Gehirn hat Schmerzbahnen ausgebaut — wie Autobahnen — und sendet nun Schmerzsignale auch ohne direkten körperlichen Auslöser.
Das klingt zunächst wie eine Konkurrenztheorie zur Biokinematik. Ist es nicht. Es ist eine Beschreibung desselben Phänomens aus einer anderen Perspektive.
Die Neurowissenschaft beschreibt den Output: Das Gehirn feuert. Die Biokinematik fragt nach dem Input: Was hat das Gehirn ursprünglich in dieses Muster gezwungen? Was hat die Bahnen gelegt?
Und die Antwort kann sein: Eine gestörte Muskelgeometrie. Eine metabolische Schwäche. Eine jahrelang unterdrückte Emotion. Ein seelisches Muster, das sich körperlich eingeschrieben hat.
Die Neurowissenschaft findet keine Ursache und nennt es manchmal ‚somatoforme Störung' — Schmerz ohne organischen Befund. Die Biokinematik würde fragen: Wurde wirklich sorgfältig genug nach der geometrischen Störung in der Muskelkette gesucht? Wurden die anderen Ebenen vollständig einbezogen?
Fragen zum Weiterdenken — für dich und deine Praxis
Diese Fragen haben keine Musterantwort. Sie sind Einladungen zur Reflexion — über deine Patienten, über deine Praxis, über dein eigenes Verständnis von Schmerz.
  1. Wenn du an deinen schwersten Fall denkst — auf welcher Ebene bist du stehengeblieben? Was hättest du vielleicht noch fragen können?
  2. Gibt es Patienten, bei denen die biokinematische Behandlung sofort wirkt — und andere, bei denen sie nicht hält? Was unterscheidet diese Menschen, jenseits der Diagnose?
  3. Hast du schon einmal erlebt, dass ein körperlicher Schmerz verschwand, als sich etwas in der Lebenssituation eines Menschen verändert hat? Was hat das mit dir gemacht?
  4. Wo in deinem eigenen Körper spürst du das schwächste Glied — und auf welcher Ebene vermuttest du die Ursache?
  5. Wie gehst du damit um, wenn du als Therapeutin oder Therapeut an eine Grenze kommst, die jenseits deiner Methode liegt? Was brauchst du dann?
  6. Wenn der Schmerz eines Menschen nicht nur ein mechanisches Problem, sondern ein Hinweis auf eine tiefere Ebene wäre — wie würde sich deine Haltung im Behandlungsraum verändern?
  7. Was müsste sich in der Ausbildung von Therapeuten ändern, damit diese mehrdimensionale Sichtweise selbstverständlich wird — ohne in esoterische Beliebigkeit zu verfallen?
Ein offener Schluss
Dieser Artikel hat keine fertige Antwort. Er hat eine Richtung.
Der Körper lügt nicht. Er schützt, er warnt, er zeigt — immer. Die Frage ist nur, ob wir als Therapeuten gelernt haben, seine Sprache vollständig zu lesen. Die Biokinematik gibt uns die Grammatik dieser Sprache. Die Energiearbeit, die Ernährungsmedizin, die psychologische Begleitung und die Bewusstseinsarbeit geben uns das Vokabular für die Ebenen, die dahinterliegen.
Schmerzlösung PRO ist der Versuch, all das in ein kohärentes therapeutisches Denken zu integrieren. Nicht als dogmatisches System — sondern als offener, präziser Blick auf den Menschen in seiner Gesamtheit.
Der Schmerz ist immer beides: Schutzreflex — und Wegweiser. Die Kunst ist zu lernen, wohin er zeigt.
— Claus Altmann, Schmerzlösung PRO
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Claus Altmann
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Was könnte dein Schmerz wirklich mitteilen wollen?
Altmann Institut PRO
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🔵 SchmerzlösungPRO: Heilung begleiten bei chronischen Schmerzen & Schmerztherapie Ausbildung für Therapeuten, mit dem Physiotherapeuten Claus Altmann
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