Schmerztherapie, die im Kopf beginnt
Ein inspirierendes Kongress-Interview über Biokinematik, Heilung und was wirklich zählt
Liebe TeilnehmerIn im Altmann Institut BASIS,
letzte Woche hatte ich ein besonderes Interview für einen Gesundheitskongress im April. Mein Gesprächspartner Florian Horndasch (https://florian-horndasch.de/) ist selbst Physiotherapeut und kommt ursprünglich aus der Biomechanik.
Was als Interview begann, entwickelte sich zu einem Dialog, der weit über die reine Mechanik hinausging. Das Gespräch dauerte knapp eine Stunde – und ich möchte die wichtigsten Erkenntnisse mit dir teilen.
Die 80/20-Regel bei Schmerzen
Eine der zentralen Fragen im Interview: Was bedeutet "Umparken im Kopf" bei Schmerzen konkret?
Ich unterteile pauschal zwischen zwei Schmerzarten – diese Verteilung bestätigen mir auch immer wieder Allgemeinärzte:
20% exogene Schmerzen:
  • Du hast einen Bruch
  • Du hast eine offene Wunde
  • Du hast eine Entzündung
Diese Schmerzen müssen mit herkömmlicher Schmerzmedizin behandelt werden. Da braucht es Wundversorgung, Desinfektion, Schmerzmittel. Die Schmerzmedizin ist hier extrem wichtig und absolut notwendig.
80% endogene Schmerzen:
Das sind die funktionellen Schmerzen – und hier wird es spannend:
Bei diesen funktionellen Veränderungen siehst du nichts:
  • Nichts im Röntgenbild
  • Nichts im MRT
  • Nichts im CT
Trotzdem haben die Menschen Schmerzen. Genau hier greift die Biokinematik mit ihrem Verständnis vom funktionellen Zusammenspiel der Muskeln, Gelenke, Faszien und Muskelketten.
Die schmerzende Stelle ist die gesündeste im Körper
Das ist ein provokantes Postulat von Walter Packi aus den 80er Jahren. Aber es ist aus Sicht der Biokinematik wirklich so.
Der Klassiker: Rückenschmerz
Fast alle Menschen kennen Rückenschmerzen – hinten im Lendenwirbelbereich, Kreuzbeinbereich, Hexenschuss.
Was man jahrelang gemacht hat:
  • Hinten Wärme
  • Rückenmuskeln trainiert
Was sich heute immer mehr durchsetzt: Du solltest auf der gegenüberliegenden Seite schauen, wo deine Bauchmuskulatur verkürzt ist. Du musst das hier vorne öffnen und die vordere Kette mit der hinteren Kette in ein Gleichgewicht bringen.
Wenn das gelingt, kannst du manchmal dem Schmerz beim Schmelzen zuschauen.
Das nennen wir "analytisches Berühren": Du drückst hier vorne, wenn jemand einen Schmerz hinten hat. Wenn du die entsprechende Stelle findest, ist die Bewegung, die vorher im Rücken oder Nacken wehtat, auf einmal deutlich besser.
Knochen auf Knochen – und trotzdem schmerzfrei?
Ein Klassiker-Thema im Interview: Arthrose
Die typische Diagnose: "Ich hab Knochen auf Knochen. Es ist nichts mehr da, wir brauchen ein neues Gelenk."
Die Studienlage ist eindeutig: Es gibt genügend Menschen, die Arthrose haben und keine Beschwerden haben.
Ein konkretes Beispiel aus meiner Praxis:
Eine Patientin, genau mit diesem Bild – Knochen auf Knochen. Wir haben klassisch biokinematisch behandelt:
  • Der Schmerz verschwand drastisch
  • Innerhalb von 2 Wochen
Aber: Das Röntgenbild verändert sich in 2 Wochen nicht. Da bewegt immer noch Knochen auf Knochen. Aber der Schmerz ist so gut wie verschwunden.
Die ganze Studienlage zeigt: Diese bildgebenden Verfahren alleine, diese Formveränderung, sagt nichts aus. Gar nichts. Über Schmerzen und deren Heilungsverlauf.
Es braucht das Erleben
Im Interview kamen wir auch auf ein kritisches Thema: Mentale Arbeit und Mindset.
Es gibt Coaches, die propagieren: "Ich bin reich, gesund und glücklich" – man müsste es sich nur laut vorsagen, jeden Morgen, bis man es glaubt.
Das kann funktionieren. ABER:
Neuroplastizität – die Anpassungsfähigkeit unseres Nervensystems, unseres Gehirns – entsteht durch Tun, durch Machen.
Ein Beispiel aus meiner Praxis von letzter Woche:
Patientin mit Knieschmerzen, Zysten in beiden Knien, seit letztem Frühsommer. Eine unglaubliche Angst hatte sich eingeschlichen vor Bewegung, vor Treppengehen, vor allem.
Nach ein paar Behandlungen wurde das Treppengehen innerhalb von einer Woche um 80% besser. Aber dann kommt der entscheidende Schritt:
"Gehen Sie bitte an Ihre Treppe zu Hause. Machen Sie ein paar Behandlungen selbst. Dann wird der Schmerz in dem Moment besser. Und jetzt gehen Sie die Treppe als Übung – stur hoch und runter."
Sie erlebt: "Oh, tut ja jetzt viel weniger weh als vor 2 Wochen."
Dieses angstfreie Erleben – das ist Therapie.
Walk Your Talk
Eine der Kern-Erkenntnisse aus dem Gespräch:
Wenn ich mich selbst um mich kümmere, wenn ich das selbst ernst nehme – wenn du die Sachen auch lebst, die du von dir gibst – das ist das Hilfreichste, was wir machen können.
Die Persönlichkeit des Therapeuten, der Therapeutin wirkt immer. Aber ich glaube, dass alles Werkzeug sekundär ist gegenüber dem, was wir verkörpern, welche Resonanz wir im anderen auslösen.
Was ich jedem Menschen ans Herz legen würde
Am Ende des Interviews stellte Florian die Frage: "Was wäre eine Sache, die du jedem Menschen ans Herz legen würdest?"
Zwei Dinge:
Erstens: Sich seiner Angst stellen
Wenn es um Schmerzen geht:
  • Dich informieren
  • An den Punkt kommen, wo du keine Angst mehr hast
  • Weil du Handlungsoptionen hast
  • Weil du handeln kannst
Neuere Studien zeigen: Wenn du diese Eigenschaft hast – diese Angst zu verlieren – ist deine Prognose um ein Vielfaches besser.
Zweitens: Aus Freude heraus gut mit deinem Körper umgehen
Ob du mein 5-Basisübungen-Programm machst, ein Yogaprogramm, oder was anderes – Hauptsache mit Lust.
Wenn du morgens aufstehst oder mittags oder abends und sagst: "Yes, ich mache das, weil das ist wie Zähneputzen, wie mich waschen – ich mach es gerne."
Wenn du da was findest – boah, dann ist ganz viel gewonnen.
Die Auto-Metapher
Ich habe dem Interviewer noch eine Metapher gegeben:
Wenn ich von Freiburg nach Hannover mit dem Auto fahre... Es gibt tausende von Autos! Ob mit dem Maybach, Tesla, Ente oder VW – du kommst dahin.
Komm in Bewegung – ob mit der einen Methode, der anderen – aber komm in Bewegung.
Fühl dich in deinem Auto, in deinem Körper wohl. Ob das mit dieser oder jener Methode ist – das ist vollkommen sekundär.
Wenn Experten sagen: "Nur meine Methode funktioniert" – das ist für mich Verkaufen oder Marketing. Das hat nichts mit der eigentlichen Heilung zu tun.
Für dich zum Nachdenken
Ein paar Fragen, die du für dich mitnehmen kannst:
  • Wo fixiere ich mich vielleicht zu sehr auf Befunde statt auf das funktionelle Zusammenspiel?
  • Welche Ängste habe ich bezüglich meiner Schmerzen – und welche Handlungsoptionen könnte ich entwickeln?
  • Was tue ich selbst aus Freude für meinen Körper?
  • Wie könnte ich das Prinzip "die schmerzende Stelle ist die gesündeste" für mich verstehen?
Deine Fragen sind willkommen!
Was hat dich beim Lesen jetzt am meisten angesprochen?
Wo hast du Fragen zu den Zusammenhängen?
Welche eigenen Erfahrungen hast du mit dem Thema "Bildgebung vs. tatsächlicher Schmerz" gemacht?
Schreib deine Gedanken und Fragen gerne in die Kommentare. Vielleicht nehme ich das als Inspiration für unsere nächste Praxis & Kaffee Session am Mittwoch, 8:30 Uhr.
Dort können wir gemeinsam tiefer in einzelne Themen einsteigen – und du kannst deine konkreten Fragen stellen.
Die Kernbotschaften:
✓ 80% der Schmerzen sind funktionell – da können wir helfen✓ Die Schmerztherapie fängt im Kopf an✓ Bildgebende Verfahren sagen wenig über die Heilungsprognose aus✓ Komm in Bewegung – egal wie✓ Verliere die Angst – gewinne Handlungsoptionen
In diesem Sinne – eine inspirierendes Wochenende! 🌟
Claus
P.S.: Der vollständige Kongress findet im April statt – mehr Infos folgen. Aber die Erkenntnisse aus diesem Gespräch gelten jetzt schon.
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6 comments
Claus Altmann
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Schmerztherapie, die im Kopf beginnt
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