Vor dreieinhalb Jahren begann ich, mich intensiv mit generativer KI zu beschäftigen. Ausgangspunkt war eine scheinbar einfache Frage: Wie weit lässt sich Wissensarbeit automatisieren? Damals schien der Fortschritt nahezu unglaublich. Mit großen Sprachmodellen wurde plötzlich vorstellbar, dass sich ein erheblicher Teil intellektueller Arbeit automatisieren lässt. Wie viele andere war ich fasziniert von dem, was diese Systeme bereits leisten konnten – und davon, mit welcher Geschwindigkeit sie sich weiterentwickelten. Doch je tiefer ich in das Thema einstieg, desto weniger interessierte mich eine andere, damals naheliegende Frage: Wie werden die Modelle noch leistungsfähiger? Stattdessen begann ich, grundlegendere Fragen zu stellen. Fragen nach der Struktur. Fragen nach Verantwortung. Fragen nach Governance. Und schließlich eine Frage, die mein Denken nachhaltig verändert hat: Optimieren wir überhaupt das Richtige? Diese Frage wurde zum Ausgangspunkt einer Entwicklung, die mich Schritt für Schritt zu Konzepten wie Declarative AI, Accountable Systems und schließlich zum Operational Integrity Benchmark führte. Keine dieser Ideen entstand plötzlich. Jede war die Konsequenz einer Erkenntnis, dass die vorherige Denkweise irgendwann an ihre Grenzen stieß. Deshalb ist diese Serie keine Sammlung fertiger Frameworks. Sie erzählt den Weg dorthin. Einen Weg voller Neugier, Irrtümer, Experimente und unerwarteter Erkenntnisse. Einen Weg, auf dem ich immer wieder feststellen musste, dass das eigentliche Problem nur selten das Sprachmodell selbst war. Fast immer lag es in der Struktur, die das Modell umgab. Ich nehme euch mit auf diese Reise – nicht, um fertige Antworten zu präsentieren, sondern um die Fragen zu teilen, die mein Verständnis von KI grundlegend verändert haben. Im ersten Beitrag geht es zurück zu dem Moment, in dem ich überzeugt war, dass sich nahezu jede Form von Wissensarbeit automatisieren lässt – und warum mich genau diese Überzeugung schließlich dazu brachte, die Automatisierung selbst zu automatisieren.