Niklas (14) - vom Survival Mode zur Lebensfreude
Ich empfinde es so wichtig, positive Erfahrungen zu teilen. In der Vergangenheit habe ich das viel zu wenig gemacht. Einerseits, weil ich andere, die in schwierigen Situation sind, nicht vor den Kopf stoßen wollte. Andererseits, weil die Erfolge mit Niklas schon so normal für uns geworden sind, dass es gar nicht der Rede wert scheint, darüber zu sprechen. Die großen Krisen sind für uns schon so weit weg, dass wir regelmäßig vergessen, wie schlimm alles mal war (was wahrscheinlich auch besser ist). AUSGANGSLAGE Schon als Baby und Kleinkind war Niklas extrem heraufordernd, immer Köperkontakt mit riesigem Bedürfnis nach Sicherheit und Autonomie. Starke emotionale Ausbrüche, Schimpfwörter, Hauen, Schubsen, Hyperaktivität, sensorische Herausforderungen, kaum Freunde, Schwierigkeiten in Kindergarten und Schule. Ab ca. 8 Jahren: Intensivere Meltdowns, Schultrauma, nicht mehr leben wollen (darüber sprechen, mehrmals auf den Balkon laufen und springen wollen), ein Jahr lang tiefes Burnout & Haus kaum verlassen, keine Sozialkontake, kompletter Rückzug in die Onlinewelt. Sehr selektives Essen (lange Zeit nur 2 unterschiedliche Gerichte im dunklen Zimmer vor dem PC), Zähneputzen unregelmäßig, Duschen & Haar kämmen oft wochenlang nicht. Alleine schlafen bis zum Alter von 13 nicht möglich. Niklas hat uns lange Zeit nicht mehr vertraut (weil wir ihn zu Dingen wie zB. Schule gezwungen haben) und hatte das Gefühl, die ganze Welt ist gegen ihn. Er hat sich komplett alleine und unverstanden gefühlt, obwohl wir auch damals schon so viel auf ihn eingegangen sind. Ich könnte noch viel mehr schreiben, will mich in dieser Phase aber nicht mehr aufhalten - es war einfach die Hölle! WAS HABEN WIR VERÄNDERT? Ich habe unsere Kinder von Begin an instinktiv PDA-sensibel begleitet (daher ging es wahrscheinlich lange Zeit noch halbwegs gut) - natürlich aber weitaus weniger, als es gebraucht wurde. Leider war Bert anfangs nicht so ganz mit im Boot und ich habe mich auch aus Angst vor Kritik und Unsicherheit nicht getraut, die Dinge wirklich so umzusetzen, wie ich sie gespürt habe.