7d (edited) • Impulse
Life is a Roller-Coaster
Unser Leben passiert immer mit gefühlt 300 km/h - manchmal denke ich dass wir in einer Woche mehr erleben als andere in einem Monat oder Jahr... kennt ihr das auch?
✔️ Zum einen hat das mit der Geschwindigkeit unserer Gehirne zu tun - ADHS und Höherbegabung - da ist einfach kein Stillstand. So viele neue Ideen, neue Wünsche, neue Pläne. Und der Autismus-Anteil ist dauerhaft überfordert. Vor allem Hanna hält uns hier auf Trapp - immer etwas Neues, das gebraucht wird, um in der Regulation zu bleiben. Nicht nur Dinge - sondern auch Hobbies, Jobwünsche, Aktivitäten - und natürlich muss immer alles sofort sein. Und auch Niklas hat Bedürfnisse - nicht so viele wie Hanna, aber dafür hochwertig und teuer.
✔️ Zum anderen hat es damit zu tun, dass wir unser Leben so dermaßen auf den Kopf gestellt haben. Bei uns hat sich einfach alles geändert, und es sind noch einige lose Ende zu verknüpfen, bis es wieder ruhiger werden kann. Bzw. ist die Frage, ob es überhaupt ruhiger werden kann, weil sich Bedürfnisse weiterentwickeln, Flexibilität gefordert ist und der Alltag dann wieder neu angepasst werden muss.
✔️ Auch Ortswechsel, so wie unsere Zeit auf der Insel Koh Chang und in Österreich bringen so viele neue Dynamiken, Erfahrungen und Erkenntnisse zurück - und dann wieder die Rückkehr nach Pai. Immer neue Eindrücke, Challenges, Veränderungen. Ähnliches gilt aber bestimmt auch für alle, die in der Heimat sind und sich mit Schulpficht, Systemdruck. Therapien, Diagnostiken, Jugendämter, Einsprüchen, Unterstützungsansuchen und ähnlichem herumschlagen.
✔️ Und dann natürlich ganz Alltägliches wie Geschwisterstreitt, Meltdowns (bei unseren Kids zum Glück nicht mehr vorhanden), Equalizing, Partnerkonflikte, Umfeld, eigenen Entwicklung... dauerhaft Brände löschen, Lösungen finden, weiter denken, neu beginnen.
Es ist einfach nie Ruhe, auch wenn wir das manchmal so brauchen würden.
***
Ich könnte hier 24/7 Einblicke und Erkenntnisse über unser Leben teilen - zum Glück viel Positives, und gleichzeitig auch viel Verrücktes und Herausforderndes. Mein Gehirn ist immer ON. Die Hälfte von allen Beiträgen, die ich in den letzten Tagen schreiben wollte, sind schon wieder verpufft, weil so viel Neues dazu gekommen ist, das mich beschäfige.
Hier ein paar Gedankenschnipsel der letzten Woche(n) - wenn ihr zu einem Thema mehr wissen wollt, gebt gerne Bescheid!
👉 Hanna macht sich seit einiger Zeit viele Gedanken, wie sie Geld verdienen kann. Sie hat in den letzten Monaten schon sooo viel durch - und jetzt steht Modelling im Raum. Mir ist es wichtig, unsere so gut es geht in allem zu unterstützen, was ihnen wichig ist - denn wer weiß, was sich daraus entwickeln kann. Aber wie schon oben gesagt, alles muss sofort sein - und am besten völlig autonom - und wenn es dann nicht so läuft ist es frustrierend. Ich werde dann innerhalb von kürzerster Zeit Expertin zu diversenen Themen - und jetzt gerade ist eben Modelling dran... Möchtet ihr darüber mehr erfahren?
👉 Wir sind gestern wieder in Pai angekommen und haben eine 24-stündige Heimreise hinter uns - Minibus, Nachtbus, Auto - und die Kinder waren so unglaublich gechillt und gut gelaunt, dass wir es selbst nicht glauben konnten. Sie sind sogar die ganze Zeit nebeneinander gesessen. Reisen hat mit unseren Kinds immer schon verhältnismäßig gut funktioniert (bis auf die Burnout-Phase, da war Reisen sowieso nicht möglich) - ABER es war immer sehr anstrengend für uns Eltern. Diesmal war es richtig einfach, und das gibt mir Hoffnung, dass Reisen in Zukunft wieder möglich sein wird. (Denn ja, wir leben zwar in Thailand, aber in den letzten Jahren haben wir bis auf unseren Österreich-Besuche unser kleines Pai kaum verlassen).
👉 Bei Bert und mir lief es in den ersten Tagen unseres Wiedersehens nicht ganz so harmonisch... die Gründe sind immer dieselben. Muster, die sich jahrzehntelang durch unerkannte Neurodivergenz und wenig hilfreiche Bewältigungsstrategien eingebrannt haben und jetzt mühevoll gelöst werden müssen. Unserer fordernder Alltag - manchmal ist es einfach zu viel und wir lassen es aneinander aus. Zu wenig finanzielle Stabilität. Wir kommen immer irgendwie gut durch und es fehlt uns auch an nichts Grundlegendem, aber für uns ist es sehr wichtig, dass wir endlich in eine Phase kommen, in der wir in diesem Bezug wirklich dauerhaft Sicherheit haben, denn dann ist nochmal eine große Portion zusätzliche Leichtigkeit in unserem Leben möglich. Working on it - und es wird sich auch bald auflösen.
👉 Ein großer Punkt, warum wir finanziell noch etwas feststecken ist der, weil ich in den letzten Jahren meine Energie so stark auf das Thema PDA gelegt habe, anstatt mir einen "anständigen" Job zu suchen. Ich bin so festgesteckt, und das hat mich so sehr gebremst, etwas anderes zu machen. Es ist einfach ein Thema, das ich lösen wollte und musste... für mich selbst habe ich das ohnehin schon lange gemacht, aber es war mir eben auch wichtig, meine Erfahrungen zu teilen. Einen Weg zu finden, der für mich passt und auch bei anderen ankommt hat mich das volle Ausmaß meiner Neurodivergenz vor Augen geführt. Aber auch hier klären sich gerade viele Dinge.
👉 Niklas' Entwicklung ist wirklich gigantisch und es zeigt mir, wie viel sich durch Regulation, Verständnis, Autonomie verändern kann. Täglich erlebe ich neue Dinge, die ich nicht für möglich gehalten habe. Leider ist und bleibt das Hauptproblem in meinen Augen für ganz viele Menschen die Schulpflicht - denn wir wären NIE da, wo wir jetzt sind, wenn wir Niklas nich davon befreit hätten (und nicht jegliche Erwartungen an einen klassiche Bildung fallengelassen hätten). Ich weiß, dieses Thema ist extrem schwierig, aber ich kann nur jeden ermutigen, irgendwie Schlupflöcher zu finden, wenn das Schulsystem ein großes Problem darstellt. Für uns war es die Basis für jegliche Entwicklung.
👉 Während Niklas für mich immer so leicht zu lesen war und ist (die Umsetzung war aber trotzdem schwierig), ist meine größte Herausforderung, einen guten Zugang zu Hanna zu finden. WIr sind so unterschiedlich, und das macht unsere Beziehung manchmal schwierig. Ich lerne so viel von ihr -zB. zlockerer zu sein und das Leben mit mehr Leichtigkeit zu betrachten. Ich bewundere sie in so vielen Aspekten. Und gleichzeitig triggert mich manches sehr... einerseits bestimmt, weil sie sich manches herausnimmt, das ich nie selbst ausleben durfte und konnte. Und andererseits, weil ich mir manchmal einen verantwortungsvolleren Umgang mit Ressourcen und Gefühlen von anderen Menschen wünschen würde. Hanna lebt so sehr im Moment und in ihrer eigenen Welt, dass es irgendwie total schön ist, aber eben auch auf Kosten anderer geht und das ist für mich oft schwierig. Was ist angemessen und sogar gut - und was ist zu viel und nicht angebracht? Zusätzlich hält sie mir oft einen Spiegel vor, hinterfragt mich und meine Beweggründe, sodass ich sehr wachsen muss (was gut aber auch anstrengend is). "Warum denkst du da drüber nach? Ist ja schon vorbei, kannst es eh nicht mehr ändern!" / "Wo ist das Problem? Machs halt einfach!" / "Naja, die sind ja selbst schuld - ist nicht unser Probem!"
👉 Insgesamt sind meine Kinder meine größten Lehrer und zwingen mich täglich, Dinge neu zu überdenken und mich weiterzuentwickeln - und das bringt mich immer wieder an meine Grenzen. Mit beiden Kindern in komplett unterschiedlichen Bereichen. Und dann kommt noch die Beziehung mit Bert dazu... Das sind schon so viele Beziehungdynamiken für mein hochsensibles und hyperempathisches Nervensystem - kein Wundern, dass wenig Energie für das Außen bleibt.
👉 Eine unserer Katzen ist sehr krank, und befindet sich seit 5 Tagen in einer Tierklinik in Chiang Mai - mit Lungenproblemen, weil sich eine Gewebemasse (wahrscheinlich Tumor) zwischen Herz und Lunge befindet. Fast täglich wird Wasser aus der Lunge gepumpt (bis zum 100 ml), es geht ihr schon wieder besser, aber Leukämie steht im Raum (wir warten noch auf Testergebnisse) und ev. müssen bald schwierige Entscheidungen getroffen werden. Die Thai Damen, die unsere Katzen während unserer Abwesenheit betreut haben, haben sie mit großen Atemproblemen zum Tierarzt gebracht, von dort haben wir sie mit einem Taxi in eine Klinik nach Chiang Mai bringen lassen (3 Stunden Fahrt), wo sie jetzt gut versorgt ist. Das ist auch ein Grund, warum wir schon etwas verfrüht wieder nach Pai zurückgekommen sind. Eigentlich wollten wir unsere Katze gestern abholen und haben sie auch besucht, aber es war dann doch besser, sie in der Klinik zu lassen.
👉 Mein Vater (ziemlich sicher selbst ND, will aber nix davon wissen), der gerade in Australien ist, hatte eine Begegnung mit einer 19jährigen Autistin, die ihm neue Perspektiven eröffnet hat. Er hat mir letzte Woche eine Nachricht dazu geschrieben - und ich bin sofort in Tränen ausgebrochen, weil dieses Thema mit so viel Trauma für mich verbunden ist. Ich bin so dankbar, dass er nun durch diesen Zufall vielleicht mehr Verständnis für uns entwickeln kann - und gleichzeitig finde ich es so schade, dass er das nicht von mir annehmen konnte. Wollt ihr die ganze Geschichte hören - sie ist sehr spannend und berührend.
Das war nur ein Ausschnitt davon, was sich in den letzten Wochen bei uns getan hat. Unser Leben fühlt sich tatsächlich an wie ein Rollercoaster-Ride - sehr intensiv, sehr viel, und es wird nie langweilg... zum Glück sind die Ups mittlerweile trotzdem weitaus häufiger als die Downs.
Ich hoffe, ich geht es allen gut! Teilt hier gerne eure Ups & Downs, wenn ihr mögt!
Alles Liebe, Martina 🌻
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Martina Franzl
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