Hanna möchte derzeit morgens überhaupt nicht angesprochen werden, und das respektiere ich auch (vor kurzem hab ich es mal vergessen, und dann hat sie mir später - bei einem anderen Problem - gesagt, dass dadurch schon der ganze Tag schlecht begonnen hat).
Sie schläft im Raum neben mir mit der Türe leicht offen, und machmal macht sie - wenn sie aufwacht - gleich die Türe zu. Oder sie geht wortlos an mir vorbei ins untere Stockwerk und legt sich da mit ihrem Tablet auf die Couch. Und fragt irgendwann: "Gibt es Frühstück?" Dann ist sie bereit für leichte Gespräche und unser gemeinsamer Tag beginnt. An einem Schultag - oder wenn wir morgens etwas vorhaben - macht sie sich selbstständig fertig und kommt erst aus dem Zimmer, wenn sie bereit ist.
Ich nutze die "Schweigezeit" zum Arbeiten und Schreiben. Das ist meine produktivste Zeit, denn oft weiß ich nicht, wie sich der Tag entwickeln wird, und ob ich danach noch zu kreativer Arbeit komme.
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Für uns war damals - als Niklas im extremen Burnout war - einer der größten Gamechanger, ihn morgens nicht mehr von uns aus anzusprechen. Das hat sich seltsam angefühlt, weil er ja auch bei uns im Bett geschlafen hat.
Wenn ich mit Niklas telefoniere, dann sprechen wir ein bisschen und dann ist auch viel Schweigen... manchmal eine Stunden lang (er ruft mich oft an, wenn er früh munter wird und Bert noch schläft). Wir haben dann das Handy vor uns, und sind einfach miteinander, während jeder seinen eigenen Gedanken nachhängt oder sogar etwas nebenbei macht. Manchmal versuche ich gezwungen irgendwelche Fragen zu stellen... aber ich hab das Gefühl, dass das gar nicht nötig oder erwünscht ist.
Seit Niklas' Burnout und unser aller Unmasking-Prozess wird bei uns grundsätzlich weniger gesprochen... was nicht dem entspricht, was ich mir uns für unser Familienleben vorgestellt haben - aber irgendwie ist jeder (inklusive uns Eltern) auch gerne in seiner eigenen Welt.
Manchmal fühlt sich unser Zusammenleben an wie eine WG und nicht wie einen klassische Familie. Nebeneinander anstatt Miteinander sein, aber gleichzeitig auch verbunden. Manchmal fühlt sich das unsozial an, aber ich glaube, das entspricht vielen autistischen Menschen.