Geld beruhigt – aber es erklärt nicht, wofür man lebt
Ich gehöre heute zu den Menschen, denen es finanziell gut geht. Und trotzdem sage ich etwas, das in einem Forum wie Mindfulmoney unbequem ist: Geld ist wichtig – aber es ist nicht das Ziel. Ja, der Satz „Geld beruhigt“ stimmt. Der kommt nicht von ungefähr. Geld nimmt Druck. Angst. Existenzsorgen. Das habe ich schmerzhaft gelernt – denn ich kenne auch die andere Seite. Ich habe fast drei Monate auf der Straße gelebt.Nicht aus Abenteuerlust. Sondern weil das Leben manchmal schneller zuschlägt, als man reagieren kann. Ohne Geld ist nichts romantisch.Ohne Geld wird Freiheit schnell zur Illusion. Aber hier ist die Wahrheit, über die kaum jemand spricht: Mit Geld kommen neue Sorgen. Andere Ängste. Andere Abhängigkeiten. Der Unterschied ist nur: Man leidet bequemer. Lange Zeit wusste ich selbst nicht, wofür ich das alles eigentlich mache.Ich hatte Ziele, aber keinen echten Sinn dahinter. Heute weiß ich es. Mein Ziel sind meine Kinder. Ich will, dass sie es einmal einfacher haben als ich. Nicht, weil sie verwöhnt werden sollen – sondern weil sie sich auf ihr Leben konzentrieren können, statt ums Überleben zu kämpfen. Ich möchte meine Kindheit niemandem wünschen. Mein Vater ist abgehauen.Kein Kontakt. Keine Anrufe. Kein Unterhalt. Nichts. Meine Mutter war allein.Nachts gearbeitet.Drei Kinder.Dauerstress. Urlaub kannten wir nicht. Klassenausflüge waren nichtbezahlbar. Früh lernen, auf eigenen Beinen zu stehen – nicht aus Stärke, sondern aus Notwendigkeit. Das prägt.Und es erklärt, warum Geld für mich nie Selbstzweck war. Ich glaube nicht, dass weniger Geld automatisch ein besseres Leben bedeutet. Aber ich weiß aus Erfahrung: Mehr Geld macht kein inneres Chaos leise. Wenn Geld das einzige Ziel wird, verliert man oft genau das, was man eigentlich gesucht hat: Ruhe. Sinn. Verbindung. Zeit. Sein inneres ich. Vielleicht geht es nicht darum, reich zu werden.Sondern stabil. Klar. Wach. Geld sollte ein Werkzeug sein – kein Maßstab für den eigenen Wert. Die Frage ist also nicht:Wie viel Geld willst du? Sondern: Wofür eigentlich?