Eine Wahrheit
Es gibt eine Wahrheit, die so schlicht ist, dass sie viele übersehen.
Das Leben findet nicht morgen statt. Nicht gestern. Nicht in deinen Erklärungen. Nicht in deinen Plänen.
Das Leben findet jetzt statt.
Und genau hier liegt das Problem unserer Zeit: Der moderne Mensch ist fast nie wirklich da. Er ist ständig irgendwo anders. Er ist im Rückspiegel, in der Vorschau, im Kopfkino, in der Bewertung. Er lebt in Gedanken über das Leben, statt im Leben selbst.
Man kann das an einem ganz einfachen Punkt erkennen: Atmest du gerade bewusst?
Nicht als Übung. Nur als Feststellung.
Wenn du diese Frage liest und merkst, dass du es vorher nicht wusstest, dann weißt du auch, worum es geht.
Präsenz ist nicht „Aufmerksamkeit“. Aufmerksamkeit kann man erzwingen. Präsenz nicht.
Präsenz ist der Zustand, in dem du aufhörst, gegen den Moment zu argumentieren.
Du bist da. Nicht als Idee. Nicht als Rolle. Nicht als Funktion. Sondern als Mensch.
Und sobald du wirklich da bist, passiert etwas Merkwürdiges:
Das Leben wird wieder größer. Nicht spektakulärer, sondern echter.
Du merkst plötzlich, wie viel ständig in dir und um dich herum geschieht, ohne dass du es bemerkst:
Atem. Herzschlag. Temperatur. Gewicht. Blick. Geräusche. Die kleinsten Signale deines Körpers.
Und damit auch das, was darunterliegt: ein Grundgefühl von „getragen sein“, selbst wenn du gerade Stress hast.
Viele suchen nach Sinn und nach Verbindung wie nach einem Gegenstand, den man irgendwo finden muss.
Sie suchen draußen, in Nachrichten, in Meinungen, in Konzepten, in Institutionen, in Gruppen, in Menschen.
Und dann sind sie enttäuscht, weil es sich nie dauerhaft füllt.
Das liegt nicht daran, dass es diese Verbindung nicht gibt.
Es liegt daran, dass sie im Lärm verschwindet.
Stell dir vor, du sitzt in einem Raum, in dem die Musik leise spielt. Und jemand dreht permanent das Rauschen auf.
Die Musik ist noch da. Du hörst sie nur kaum noch.
So ist es mit dieser tieferen Verbindung, die viele „Gott“ nennen würden, wenn das Wort nicht so missbraucht wäre.
Nicht ein Mann im Himmel, nicht eine Institution, nicht ein Dogma.
Sondern die Kraft, die überhaupt möglich macht, dass etwas ist. Dass du bist. Dass Leben geschieht.
Und diese Kraft ist nicht fern. Sie ist nicht schwer zu erreichen.
Sie ist so nah, dass viele sie übersehen: Sie ist im Augenblick.
Das ist der Punkt, an dem die großen Lehren, die wirklich überlebt haben, immer wieder hinzeigen, ohne es in großen Begriffen aufzublasen:
Suche nicht dort draußen. Schau nach innen.
Nicht, weil innen „besser“ wäre. Sondern weil innen der einzige Ort ist, an dem du überhaupt wahrnehmen kannst.
Und weil du im Inneren sofort merkst, ob du gerade verbunden bist oder abgetrennt – ohne dass jemand dir das erklären muss.
Präsenz ist dabei wie ein Tor.
Nicht, weil du „etwas tust“.
Sondern weil du aufhörst, dich selbst zu verlassen.
Die meisten Menschen verlassen sich selbst dutzende Male am Tag.
Sie sind im Gespräch und hören nicht wirklich zu, weil sie schon ihre Antwort bauen.
Sie essen und schmecken kaum, weil sie nebenbei scrollen.
Sie sind mit ihren Kindern zusammen und sind gleichzeitig im Kopf schon bei der nächsten Sache.
Sie gehen schlafen und der Körper liegt im Bett, aber der Geist rennt durch Listen, Sorgen, Szenarien.
Und dann wundern sie sich, warum innerlich Unruhe ist.
Unruhe ist oft kein Zeichen dafür, dass „etwas falsch ist“.
Unruhe ist häufig ein Signal, dass du zu weit weg bist.
Zu weit weg vom Moment.
Zu weit weg von dem, was dich trägt.
Zu weit weg von dem, was du wirklich fühlst.
Präsenz bringt dich zurück. Und das ist manchmal unbequem, weil du plötzlich wieder spürst, was du verdrängt hast.
Aber genau das ist der Anfang von Freiheit.
Denn solange du nicht spürst, reagierst du automatisch.
Sobald du spürst, entsteht Wahl.
Nicht die Wahl, das Leben komplett zu kontrollieren.
Die Wahl, nicht mehr blind zu laufen.
Und genau hier wird es praktisch.
Wenn du heute nur eine Sache aus diesem Text mitnimmst, dann diese:
Du musst nichts hinzufügen, um verbunden zu sein. Du musst nur weglassen, was dich trennt.
Was trennt dich im Alltag am stärksten?
Nicht „die anderen“.
Nicht „die Welt“.
Nicht „die Politik“.
Meistens ist es dein eigenes Dauersenden im Kopf.
Und das Gute ist: Du musst das nicht bekämpfen.
Du musst nur lernen, es ab und zu leiser zu drehen.
Nicht stundenlang. Nicht perfekt. Nicht als neues Projekt.
Einmal am Tag reicht als Anfang.
Ein Moment. Drei Atemzüge.
Nicht mit einem Ziel. Nicht um „besser“ zu werden.
Sondern um wieder da zu sein.
Spüre das Gewicht deines Körpers.
Spüre, dass du getragen wirst.
Spüre, dass Leben geschieht, selbst wenn du gerade nicht alles im Griff hast.
Und dann beobachte, was passiert:
Viele merken, dass in dieser einfachen Nähe plötzlich etwas auftaucht, das sie lange vermisst haben.
Nicht Euphorie. Nicht ein spiritueller Rausch.
Sondern eine stille Klarheit.
Und aus dieser Klarheit entsteht etwas, das sich wie ein inneres „Ja“ anfühlt:
Ja, ich bin da.
Ja, ich bin Teil von etwas Größerem, ohne es erklären zu müssen.
Ja, ich kann heute eine Entscheidung treffen, die aus Ruhe kommt statt aus Druck.
Das ist der Anfang.
Kein großes Versprechen. Kein Wunderheilmittel.
Nur ein erster Schritt zurück in das, was real ist.
Denn wer wirklich im Moment ankommt, merkt irgendwann:
Die Quelle war nie weg.
Wir waren nur nicht da.
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Lars Maehrholz
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Wir glauben ohne Kirche: an eine schöpferische Kraft, die durch uns wirkt. Gedanken werden Richtung, Richtung wird Leben. Klar, modern, ohne Dogma.
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