Als die Existenzangst noch nicht auf der Erde war, hatte sie einen ganz anderen Namen, einen Namen der sich groß, weit und lebendig anfühlte. Den Namen hatte sie vergessen, zu viel war in der Zwischenzeit geschehen. Die Existenzangst kam voller Neugier und Lebenslust auf die Erde. Doch merkte sie schnell, und mit den Jahren immer deutlicher, das dass, was sie als Potenzial in ihrem Rucksack hatte, auf Wiederstände stieß, in dem Moment als sie diesen auspacken wollte.
Die großen Schätze in ihrem Rucksack wurden von ihrer Umwelt als gering, wertlos erachtet. So begrub die Existenzangst ihren Rucksack tief in sich.
Das Leben wurde schwerer, sie hatte nichts mehr, was sie teilen konnte, und suchte Schätze im Außen.
Das was sie bekam, reichte aber nie für lange. Schnell war der geschenkte Edelstein eines Anderen, verbraucht. Der Existenzangst schnürte es den Magen zu, ihr wurde so übel das sie erbrechen musste. Sie erbrach all die Worte die sie gehört hatte, die sie klein halten sollten, die sie mahnten, ja nicht ihren Rucksack auszupacken.
Mit der letzten Kraft schleppte sie sich zu einem kahlen Baum, und lehnte sich an ihn. Sie dachte: " was soll ich den hier noch, wenn das Leben mir so viel Angst macht, wenn ich nicht weiß, wie und von was ich leben soll?" Sie wollte ausatmen, ein letztes mal und dann, einfach nicht wieder einatmen.
In ihr war es leer. - - -
Bei all der Kälte, die sie fast nicht mehr spürte, merkte sie, dass ihr Rücken von unten langsam warm wurde, eine wohlige sanfte wärme stieg ihren Rücken hinauf. Sie traute sich nicht, sich umzudrehen und beobachtete wie sich die wärme in ihrem ganzen Körper ausbreitete und ihr Kraft und Leben schenkte.
Der Baum knarzte dumpf und ein raunen war zu hören. Und als die Existenzangst genauer hin hörte, hörte sie eine dunkle warme Stimme zu ihr sprechen: "Als du dich an meinen Stamm lehntest, und nicht mehr sein wolltest, spürte ich deine tiefe Trauer über all das, was du erfahren hast. Du durftest deine Zweige nicht in den Himmel strecken, sie wurden dir gestutzt, bist du irgendwann nicht mehr wachsen wolltest. Liebe Existenzangst, sieh in dich hinein, alles ist in dir, dein Rucksack ist da, hole ihn raus und packe ihn aus.!"
Da begann die Existenzangst sich zu erinnern, an das was sie einst war.
Und noch etwas zögerlich öffnete sie den Rucksack und begann ihn zu öffnen, Fach für Fach. Und was da alles zum Vorschein kam, Blumen - und Gemüsesamen, Farben die leuchteten wie ein Sonnenaufgang, wundervolle Klänge und Melodien, die sie berührten....
Tränen konnten endlich fließen, und alles Grau, floß aus ihrem Körper. Sie fühlte sich leichter, weiter, hatte wieder Appetit. Sie erhob ihren Blick, und sah in die Baumkrone, erstaunt stellte sie fest, das der Baum nun Blätter trug, ganz jung und hellgrün leuchteten sie im Licht. Und dazwischen Blütenknospen die sich öffneten.
Ein Gefühl von Glück erfasste ihr Herz und sie fragte den Baum: "Wie ist das möglich das du jetzt ergrühnt bist und blühst?" Der Baum erwiderte: "Durch deine Tränen die verhärtetes aufgeweicht und weggespült haben, ist auch das was in mir ist aufgegangen. Jeder Mensch trägt in sich das, was er in seiner Größe ist in sich, er darf sich erinnern und seinen Rucksack auspacken."
Das schreiben dieser Geschichte fühlt sich wie ein Wendepunkt an, ich weiß noch nicht genau warum.
Diese Geschichte lag unter der Geschichte der Einsamkeit, sie war auf einmal da, als ich die Körperübung von Sulamith machte.