@Katrin Sorgenfrey hat die Frage gestellt, ob es Weltschmerz gibt. Meine Antwort ist: Ja, ich glaube, den gibt es. Aber ich glaube auch, dass nicht alles, was wir Weltschmerz nennen, wirklich Weltschmerz ist. Manchmal ist es der Schmerz unserer eigenen Biografie, der sich auf diese Welt legt. Auf Systeme, auf Autorität, auf Gesellschaft, auf „die Menschen da draußen“. Wenn mütterliche Liebe fehlt, kann sich die Welt anfühlen wie ein Ort, an dem man nicht willkommen ist. Wenn väterliche Liebe, Schutz und echte Autorität fehlen, kann sich die Welt anfühlen wie ein unsicherer Ort vor den Toren der Stadt. Und gleichzeitig gibt es echten Schmerz in dieser Welt. Gewalt. Ausbeutung. Tyrannei. Geschichten wie das ausgeplünderte Indien oder der Kampf der Beduinen zeigen etwas, das nicht einfach aus unserer eigenen Ahnenlinie kommt und trotzdem Teil unserer Menschheitsgeschichte ist. Das sind nicht unsere Vorfahren. Und doch ist es Teil unserer Geschichte. Vielleicht ist genau das der Unterschied: Ob ich meinen eigenen alten Schmerz auf die Welt werfe oder ob mein innerer Raum frei genug wird, um wirklich mitzufühlen. Denn wir sind nicht nur einzelne Menschen. Wir sind auch Teil einer Familie, einer Ahnenlinie, einer Gesellschaft und einer Menschheitsfamilie. Und wenn wir tief genug fühlen können, merken wir irgendwann, dass kein Schmerz vollkommen isoliert ist.