„Das haben wir so aber nicht besprochen.“ In klassischen Softwareprojekten hörst du diesen Satz meistens kurz vor dem Livegang. Das ist ärgerlich und verursacht Zusatzkosten. Der Partner zeigt dir das fertige System und du stellst fest, dass die Kernfunktion fehlt. Oder sie wurde falsch verstanden. Jede Korrektur kostet ab jetzt extra Geld. Es gibt jedoch eine Disziplin, die genau das verhindert. Sie heißt REQM – Requirements Management, das Anforderungsmanagement aus dem CMMI-Standard. CMMI (Capability Maturity Model Integration) ist ein Reifegradmodell und Framework. Das klingt nach IT-Bürokratie. Sie ist aber vielleicht die wichtigste Fähigkeit im KI-Zeitalter. Denn hier kommt der Punkt, den kaum jemand ausspricht: Dieselbe Regel, die dich vor einem schlechten Softwarepartner schützt, schützt dich auch vor einem wildgewordenen KI-Agenten. Vibe Coding hat dasselbe Problem wie eine vage Absprache per Zuruf. Beim Vibe Coding tippst du eine Idee, die KI schreibt den entsprechenden Code, den du nur noch zu überprüfen und zu übernehmen brauchst. In der Demo läuft alles. Dann kommt der echte Betrieb – und die App bricht bei Datenschutz, Zahlungen und Skalierung zusammen. Goethe hat das vor 200 Jahren in seiner Geschichte vom Zauberlehrling beschrieben, der Kräfte ruft, die er nicht mehr steuern kann. Der Grund ist derselbe wie im gescheiterten Projekt mit dem externen Partner. Die Anforderungen waren nie klar definiert. Der Ausführende – Mensch oder Agent – füllt die Lücke so, wie es für ihn am einfachsten ist. Selten so, wie es für dein Geschäft am sinnvollsten wäre. Ein KI-Agent liest keine Gedanken. Er interpretiert deinen Kontext. Wenn du ihn schlecht führst, arbeitet er schnell und selbstbewusst am Ziel vorbei. Der gedankliche Grundriss ist heilig. Er ist die schöpferische Blaupause. Nenne sie dein Devine Blue Print. Ich, Gerardo, halte einen Gedanken für den wichtigsten überhaupt: Die wertvollste Zeit im gesamten Projekt liegt vor der ersten Zeile Code. In deiner göttlichen Inspiration!