Vielleicht kennst du diese Situation: Du findest eine alte Präsentation, ein Konzept, eine Entscheidung oder eine Prozessbeschreibung. Das Ergebnis ist noch da. Aber niemand weiß mehr genau, warum es so entstanden ist. Warum wurde damals diese Lösung gewählt? Welche Alternativen wurden geprüft? Was hatte nicht funktioniert? Welche Annahmen galten zu diesem Zeitpunkt? Was wusste das Team, das im Dokument gar nicht auftaucht? Und plötzlich ist ein eigentlich wertvolles Dokument erstaunlich wenig wert. Dieses Problem begegnet uns überall. In Projekten. Bei Personalwechseln. Bei Entscheidungen. In Beratungen. In der Produktentwicklung. Und sogar in unserer ganz persönlichen Arbeit, wenn wir Monate später auf unsere eigenen Unterlagen zurückblicken. Wir speichern Ergebnisse sehr gut. Aber wir speichern häufig nicht den Denkprozess, aus dem sie entstanden sind. Genau deshalb interessiert mich hier nicht nur die große Forschungsfrage, sondern auch die Praxis. Wo begegnet uns verlorener Kontext im Alltag? Was kostet er? Und was müsste anders sein, damit ein anderer Mensch tatsächlich dort weiterarbeiten kann, wo wir aufgehört haben? Ein kleines Experiment: Denk an ein wichtiges Dokument aus deiner eigenen Arbeit, das mindestens ein Jahr alt ist. Könntest du heute noch vollständig erklären, warum es genau so entstanden ist? Und könnte es jemand anderes – ohne dich zu fragen? Wenn die Antwort unterschiedlich ausfällt, haben wir vermutlich einen Teil des Problems gefunden.