Ich habe einen Verdacht, über den ich gern mit euch diskutieren würde.
Flow-Builder verwechseln Sichtbarkeit von Logik mit Beherrschbarkeit von Logik.
Die Kästchen auf dem Canvas (Arbeitsfläche - siehe Bilder übliche Entwicklung - Bild 1 am ersten Tag - / Bild 2 sechs Monate später) sehen aus wie Kontrolle. Sind aber Software-Artefakte, die nur derjenige sinnvoll ändern kann, der sie gebaut hat.
Jede Anpassung ist ein Mini-IT-Projekt — mit Testing, Deployment, Versionierung. Und je mehr Knoten, desto fragiler das Konstrukt.
Moderne Sprachmodelle können Klassifikation, Routing, Grauzonen-Entscheidungen und Rückfragen bereits selbst — wenn man sie ordentlich briefed. Der Flow-Builder wickelt eine Fähigkeit, die im Modell liegt, in eine Infrastruktur, die im Modell nicht liegen muss.
Fragen an euch
Bevor ihr unten kommentiert — nehmt euch 30 Sekunden pro Frage:
1. Wann hast du zuletzt einen produktiven Flow ohne Entwicklerhilfe geändert? Und wie lange hat es gedauert?
2. Stell dir vor, der Kollege, der euren größten Workflow gebaut hat, kündigt morgen. Wie viele Wochen vergehen, bis jemand anderes ihn wirklich beherrscht?
3. Welche Entscheidungen in eurem Canvas sind echte Geschäftslogik — und welche sind nur da, weil ihr dem Modell damals nicht zugetraut habt, selbst zu entscheiden?
4. Wie viele Edge-Cases habt ihr explizit als If/Else modelliert, die ein guter Sachbearbeiter intuitiv lösen würde?
5. Wenn euer Flow-Builder-Anbieter morgen die Preise verdreifacht — wie portabel ist eure Logik wirklich?
Meine These
Der Canvas ist ein hervorragendes Demo-Werkzeug und ein mittelmäßiges Betriebsmodell.
Er glänzt im Sales-Meeting und leidet im dritten Betriebsjahr.
Aber vielleicht irre ich mich. Erzählt mal — wo würde eine Instruktion in natürlicher Sprache bei euch scheitern, wo der Flow-Builder gewinnt? Das interessiert mich ehrlich.